Ziele
Arbeits- und berufsbezogene Gruppen sind Therapiegruppen und/oder edukative Gruppen, die ausgerichtet sind auf die Bewältigung von Arbeitsbelastungen, welche Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben (z. B. Konflikte am Arbeitsplatz, Berufskonflikte, Arbeitslosigkeit). Sie thematisieren u. a. die Interaktion von Gesundheit bzw. (chronischer) Erkrankung/Behinderung und Arbeitswelt/Erwerbsleben. Die Möglichkeit zur Bearbeitung individueller arbeits- und berufsbezogener Problemlagen soll gegeben sein. Ausgangspunkt der gruppentherapeutischen Arbeit ist die Reflexion der individuellen Arbeitssituation aller Teilnehmenden. Arbeits- und berufsbezogene Gruppen beinhalten Angebote, die eine realistische Einschätzung und Entwicklung der eigene Kompetenzen und Ressourcen und zielorientierte Verhaltens- und Einstellungsänderungen ermöglichen sollen. Auch sollen eine realistische Selbsteinschätzung hinsichtlich der eigenen körperlichen und geistig-seelischen Funktionsfähigkeit erreicht und die Selbstakzeptanz verbessert werden.
Wesentliche Inhalte
Während bei Angeboten der beruflichen Rehabilitation das Erlernen grundlegend neuer beruflicher Kompetenzen im Vordergrund steht, sind arbeits- und berufsbezogene Gruppenangebote im Rahmen der medizinischen Rehabilitation stets therapeutisch indiziert und auf das Ziel der medizinischen Rehabilitation ausgerichtet. Sie beinhalten daher therapierelevante Elemente wie z. B. die Förderung von Einstellungs- und Verhaltensänderungen und die Motivierung zur Auseinandersetzung mit der individuellen beruflichen Problemlage. Inhalte von arbeits- und berufsbezogenen Gruppen können sein:
- Stress und Belastung
- Stressfolgen, „Burnout“
- Probleme und soziale Konflikte am Arbeitsplatz
- Umgang mit Arbeitslosigkeit/Arbeitsplatzgefährdung
- Berufliche Perspektive, Rückkehr in die Arbeit, Wiedereingliederung
- Arbeitsmotivation und Arbeitsverhalten
- Berufliche Identität
- Berufsgruppenspezifische Angebote (z. B. Stressbewältigung für Pflegekräfte)
- Berufsbedingte Traumatisierung
- Zusammenhang von Arbeit und Gesundheit
- Arbeitsplatzgestaltung/Ergonomie
- Sozialrecht und Sozialmedizin.
Gruppen können Motivations- und Bearbeitungseinheiten beinhalten. Darüber hinaus ist die Vermittlung von spezifischen Informationen zur jeweiligen Thematik ein wesentlicher Inhalt. In den Motivationseinheiten gilt es, das Interesse bzw. die Bereitschaft des Patienten zur Auseinandersetzung mit arbeits- und berufsbezogenen Problem- und Konfliktbereichen zu fördern, Widerstände gegenüber der Auseinandersetzung mit diesen abzubauen und die Bearbeitung der beruflichen Problemlage zur Grundlage der weiteren Behandlung zu machen. Dabei ist die Schaffung einer vertrauensvollen und akzeptierenden Gruppenatmosphäre eine wichtige Voraussetzung für weitere Handlungsschritte. Arbeits- und berufsbezogene Probleme und Belastungen, aber auch Ressourcen sollen durch die Teilnehmenden erarbeitet und die Wechselwirkung zwischen beruflicher Belastung, Bewältigungsstrategien und dem gesundheitlichen Beschwerdebild erkannt werden. Die Reflexion der aktuellen Lebenssituation und der Erwerbsbiografie kann herangezogen werden, um das Problemverständnis zu vertiefen und Bewältigungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Daneben werden auch Basiswissen (z. B. zum arbeitsrechtlichen Hintergrund) und praktische Informationen zur weiterführenden individuellen psychologischen, therapeutischen und rechtlichen Unterstützung vermittelt (z. B. klärende Gespräche mit Kollegen und Vorgesetzten, Hilfestellungen durch Betriebsrat oder Gewerkschaften). Da andere berufsorientierte Maßnahmen mit der Teilnahme an einer arbeits- und berufsbezogenen Gruppe verbunden sein können, können die dabei erworbenen Erlebnisse und Erfahrungen in der Gruppe ausgetauscht und aktuelle Problemstellungen aufgegriffen und bearbeitet werden.
Durchführung
Arbeits- und berufsbezogene Gruppen werden unter therapeutischer bzw. edukativer Leitung in (Klein-)Gruppen bis maximal 12 Teilnehmern durchgeführt. Die Gruppen können zielgruppen- und/oder themenspezifisch durchgeführt werden.
Dauer und Frequenz
Arbeits- und berufsbezogene Gruppenangebote variieren in Abhängigkeit von Ansatz, Struktur und thematischem Schwerpunkt zwischen zwei bis drei einstündigen und sieben bis acht doppelstündigen Gruppensitzungen. Bei einer dreiwöchigen Rehabilitationsmaßnahme kann realistischerweise von einem Umfang von vier bis fünf Sitzungen ausgegangen werden.
Zielgruppe
Die Maßnahme richtet sich an Rehabilitanden mit beruflichen Problemlagen wie z. B. Konflikte mit Arbeitskollegen/Vorgesetzten, Konflikte in Zusammenhang mit innerbetrieblichen Umstrukturierungen/Umsetzungen, Überforderungssituationen, Beeinträchtigungen am Arbeitsplatz/im Beruf und Gefährdung der Berufstätigkeit durch körperliche und psychische Beschwerden, Unzufriedenheit mit der beruflichen Situation oder Arbeitslosigkeit. In Abhängigkeit vom Thema bzw. der Zielgruppe können ggf. weitere Ein- und Ausschlusskriterien festgelegt werden.
Beteiligte Therapeuten/Berufsgruppen
An der Maßnahme beteiligte Berufsgruppen: Psychologe, Psychotherapeut, Sozialarbeiter, Sozialpädagoge, Ergotherapeut, Arzt
Notwendige Ausstattung
Benötigt wird die übliche Ausstattung für Gruppenarbeit und Moderation.
Literatur zum Thema
Praxisbeispiele
>> Praxisbeispiele Gruppen mit arbeits- und berufsbezogenen Themen