Interne Belastungserprobung („Buchauer Modell“) Rehabilitationsklinik Schloss Bad Buchau, Bad Buchau [Belastungserprobung]

Psychosomatik/Neurologie

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Ziele. Die interne arbeits- und berufsbezogene Belastungserprobung ist eine primär diagnostische Maßnahme. Sie beinhaltet jedoch auch konkrete Vorschläge und Empfehlungen zur Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben. Sie ist regelhaft integriert in das Standarduntersuchungs- und Behandlungsprogramm der Klinik. Zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben werden standardisierte arbeits- und berufsbezogene Aktivitäten durchgeführt. Aufgrund dieser objektiven Ergebnisse und der Verhaltensbeobachtungen wird das qualitative und quantitative, zeitlich abgestuftes Leistungs- und Fähigkeitsprofil ermittelt. Durch das Erfassen der person- und umweltbezogenen Kontextfaktoren (im Sinne der ICF) werden mögliche Barrieren für eine Berufsausübung erkannt, offengelegt und Förderfaktoren zur Teilhabe am Arbeitsleben erarbeitet, vermittelt, angeregt und/oder umgesetzt. Das ermittelte Fähigkeitsprofil und die gewonnenen Erkenntnisse bilden auch die Grundlage für weitere rehabilitative Maßnahmen. Inhalte und Ablauf. Für die interne Belastungserprobung verfügt die Klinik über folgende Bereiche:

  1. Büro und EDV
  2. Hauswirtschaft und Küche
  3. Holz-, Kunststoff- und Metallbereich (CNC-gesteuerte Fräse, mit deren Hilfe das Programmieren CNC-gesteuerter Maschinen und die praktische Durchführung von CNC-gesteuerter Werkstückbearbeitung erprobt werden kann. Mit Hilfe eines professionellen 3-D-CAD-Programms können Konstruktionen im Holz-, Kunststoff- und Metallbereich erstellt werden.)
  4. Lagerverwaltung (übernimmt die Versorgung der anderen Bereiche mit den notwendigen Arbeitsmaterialien).

Die folgenden Bilder zeigen Arbeitsplätze, in der Rehabilitationsklinik Schloss Bad Buchau für die interne Belastungserprobung genutzt werden.

Die Arbeitsschwere der durchzuführenden Arbeiten liegt im leichten bis mittleren Bereich. Die Tätigkeiten werden im Sitzen und Stehen durchgeführt und beinhalten auch Überkopfarbeiten. Das Lager verfügt über Boxen mit definiertem Gewicht, durch deren Transport Belastungen durch Tragen und Heben getestet werden können. Mess-, Prüf- und Kontrollarbeiten müssen nach festgelegten Zeitvorgaben und nach optischer und akustischer Taktvorgabe durchgeführt werden und simulieren damit Akkordarbeit. Die Ergebnisse werden EDV-gestützt aufgezeichnet und ausgewertet. Im Bürobereich wird der kognitive Leistungsverlauf mithilfe der neuropsychologisch-kognitiven Software Cogpack® ermittelt. Die Arbeitsleistung der Patienten und Patientinnen in den jeweiligen Arbeitsbereichen wird anhand eines standardisierten Beurteilungsverfahrens (auf Basis von ERTOMIS – Hilfen zur Berufsfindung) von den Arbeitstherapeuten beurteilt und in einem Protokoll festgehalten (Abb. 1).

Abb. 1: Beispiel einer Kurzfassung zur Leistungsbeurteilung Die interne Belastungserprobung wird von ausgebildeten Arbeitstherapeuten in den Werkstätten der Klinik in mehreren Schritten durchgeführt:

  • Erhebung einer arbeits- und berufsbezogenen Anamnese: Erfragt werden u. a. detaillierte Informationen über Ausbildung, den ausgeübten Beruf, den letzten Arbeitsplatz und vor allem die eigene Einschätzung von besonderen Belastungen während Ausbildung und Arbeit.
  • Prüfen von Kenntnissen und Fertigkeiten: Hier werden anhand von Arbeitsblättern berufsübergreifende theoretische Kenntnisse getestet, wie z. B. Lesen technischer Zeichnungen, Ausmessen von Winkeln oder die Grundrechenarten. Anschließend werden konkrete Fertigkeiten. überprüft, wie z. B. ein Gewinde prüfen oder ein Werkstück ausmessen.
  • Praktische Erprobung: Die Praktische Erprobung ist in der Regel berufsunspezifisch, wobei allerdings das Bemühen besteht, der beruflichen Tätigkeit des Betroffenen möglichst nahe zu kommen.

Die Einzelarbeitsplätze der unterschiedlichen Arbeitsbereiche können zukünftig auch in Form einer „Übungsfirma“ kombiniert werden, in der jeweils eine Gruppe von sieben Patienten und Patientinnen ein „Produkt“ herstellt. Dabei werden verschiedene Arbeitsschritte von der Planung und Auftragsannahme über die Materialbestellung bis hin zur Herstellung durchlaufen. Durch diese „produktorientierte Teamarbeit“ ist eine bessere Beobachtungsmöglichkeit hinsichtlich der sozialen Kompetenzen der Patienten und Patientinnen zu erwarten. Die Kenntnisprüfung erstreckt sich über mehrere (in der Regel drei) Tage mit jeweils einstündigen Terminen. Die sich anschließende praktische Erprobung dauert einen halben bis zwei ganze Tage. Zielgruppe. Die Maßnahme richtet sich an Patienten und Patientinnen mit besonderen beruflichen Problemlagen. Dies trifft vor allem für Patienten und Patientinnen mit chronifizierten Verläufen zu, bei denen seit mehr als 6 Monaten berufliche Probleme bestehen, die die Erwerbsfähigkeit gefährden. Grundsätzliche Indikationskriterien für die interne Belastungserprobung sind: lang dauernde Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit; laufender Rentenantrag bzw. Rentenbegehren oder eine ablaufende Zeitrente. Die Maßnahme wird nicht durchgeführt bei Patienten und Patientinnen ab einem Alter von 61 Jahren sowie bei Vorliegen einer akutmedizinischen Problematik. Beteiligte Berufsgruppen und Ausstattung. Arzt; Sozialarbeiter/Sozialpädagoge; Arbeitstherapeut. Benötigte Ausstattung: Modellarbeitsplätze. Der Ablauf der Maßnahme ist in Abbildung 2 zusammenfassend dargestellt.

Abb. 2: Maßnahme „interne Belastungserprobung“ in der Rehabilitationsklinik Schloss Bad Buchau

Literatur www.buchauer-modell.de

www.belastungserprobung.com

Ansprechpartner

PD Dr. med. habil. G. Müller (Chefarzt Psychosomatik)
Schlossklinik Bad Buchau
Schlossplatz 2
88422 Bad Buchau
g.mueller[at]schlossklinik-buchau.de

Für das Buchauer Modell:

Georg Rupp (Arbeitstherapeut)
Blönriederstrasse 18
88371 Ebersbach – Musbach
info[at]buchauer-modell.de